Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

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Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Teami am Do Dez 07 2017, 15:45

Hallo, Ihr Lieben. Jetzt brauche ich vielleicht mal eure Ideen.
Wie ihr vielleicht wisst, habe ich ja jetzt eine neue fünfjährige Stute bekommen. Außerdem habe ich noch meine 20 jährige Stute und einen 25 jährigen Rentnerwallach, der im Februar als Beisteller zu mir gekommen ist. Meine alte Stute und der Wallach kommen ganz gut klar. Die alte Stute ist eine sehr dominante Leitstute, die schon der Inbegriff einer hengstigen Stute ist. Sie haut bei Begrüßung mit dem Vorderbein aus und quiekt und ist auch so immer sehr dominant und führend gewesen. Spurt jemand nicht nach ihrem Willen, kann sie auch schon mal kräftig mit beiden Hinterbeinen ihren Unwillen kundtun.
Vor knapp vier Wochen kam dann meine "Kleine" und ich habe sie wohlwissend ob der überschäumenden Natur meiner Leitstute Zaun an Zaun getrennt. Am ersten Tag zerlegte darufhin meine alte Dame prompt den Zaun. Ich hatte alles GsD im Blick und konnte die junge Stute dazwischen weg angeln, bevor sie in die Ecke gedrängt wurde und Schlimmeres passierte. Daraufhin haben wir einen doppelten Zaun gezogen.
Ich habe immer schon darauf Wert gelegt und die Fronten zwischen meinem Mädchen und mir geklärt und unter uns bin ich immer noch der Chef und sie akzeptiert auch dann ein Nein. Wenn ich dabei bin oder ich auf ihr sitze und mit anderen Pferden unterwegs bin, habe ich ihr immer so ein Verhalten verboten.

Also habe ich sie immer getrennt gehalten , aber im Stall nachts standen die junge Stute und mein altes Mädchen  gegenüber und konnten auch Schnupperkontakt halten. Beim Füttern verhält sich die Leitstute allerdings immer wie ein Berserker und geht buchstäblich am liebsten die Wände hoch. Das hat sich aber etwas gelegt und ich habe dem auch bewusst nicht viel Bedeutung beigemessen, um keine Eifersucht zu schüren oder das negative Verhalten zu verstärken.

Anfang dieser Woche sagte mir mein Bauchgefühl, dass es an der Zeit wäre, die beiden Stuten zusammen zu stellen. Also habe ich die junge Stute heute vorsichtshalber bandagiert und sie auf die große Wiese gelassen und anschließend die alte Dame dazu gepackt. Der Wallach steht auf der gegenüber liegenden Straßenseite mit Sichtkontakt auf dem Reitplatz.
Kurzes Gequieke, Hauen mit dem Vorderhuf, Bocken und nun grasen die beiden Stuten zusammen auf der Weide.
Die junge Stute ist natürlich immer etwas auf Hab acht Stellung, hat sich aber schon nach kurzer Zeit gewälzt. Bei diesem Anblick bekam ich fast einen Herzkaspar, da ich mir nicht sicher  war, ob meine alte Stute die Situation und für sich nutzen würde, um auf die Junge los zu gehen. Hat sie aber nicht , vielleicht war es ja auch ein Zeichen der Unterwürfigkeit von Seiten der Fünfjährigen.

Soweit bin ich ganz zufrieden mit der Situation. Nur der schwierige Teil wird sein, den Wallach noch dazu zu gesellen. ich nehme an, dass die Leitstute versuchen wird, ihn gegen die junge Stute abzuschirmen, um ihn  "für sich" zu haben. Dies Verhalten habe ich schon mal früher an ihr beobachtet. Absoluter Stress für alle Beteiligten und natürlich auch mit Verletzungsgefahr. Deswegen hatte ich vor, erstmal die beiden Stuten tagsüber zusammen zu stellen, damit die alte Dame die Junge praktisch in ihre Herde aufnimmt und eine Art Beschützerinstinkt entwickelt.
Jetzt die Frage an euch:
Sind meine Gedankengänge richtig oder wie würdet ihr es handhaben?
Habt ihr Erfahrungen mit derlei Herdenkonstellationen?
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Canashi am Do Dez 07 2017, 16:27

Hui, da hast du ja eine schwierige alte Lady!

Ich denke, du kennst deine Pferde sehr gut und hast dir über die Zusammenführung viele Gedanken gemacht. Für mich liest sich das sehr verantwortungsbewusst und vorsichtig.
Vom Gefühl her würde ich sagen, lass' die beiden Stuten weiterhin tagsüber zusammen, beobachte das noch ein paar Tage. Wenn es weiterhin so stressfrei funktioniert, würde ich wohl in ein paar Tagen den Wallach 'mal probehalber dazu stellen.

Wieviel Platz hast du denn? Können die drei sich aus dem Weg gehen?

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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Dschinn am Do Dez 07 2017, 18:34


Ich beschränke mich darauf, alles Gute zu wünschen, da ich von dem Thema viel zu wenig verstehe, um hier zu raten. Aber bisher scheint das doch wirklich prima zu laufen. Mein Hafi hat in den ersten Wochen einige Schrammen abgekriegt, ist davon aber nicht gestorben.

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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Friedaaa am Do Dez 07 2017, 19:07

Ich würde es vielleicht auch mal probieren den Wallach mit der junge auf die Wiese zu lassen und die alte von der anderen Seite beobachten lassen. Vielleicht kannst du da schon eine Reaktion ausmachen? Wenn die alte dann schon hoch fährt, weißt du, dass noch vorsichtig geboten ist
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Teami am Do Dez 07 2017, 19:38

@Friedaaa: Da bin ich  mir sehr sicher, dass meine alte Dame hochfährt. gaga
Sie ist tatsächlich etwas schwierig, aber wenn sie ihre Herde zusammen hat, wirklich eine gute Leitstute.
Jetzt vorhin haben mein Mann und ich die beiden Stuten von der Wiese geholt, die alte Stute zu dem Wallach gestellt und die Junge auf dem Platz davor, wie sie es die letzten drei Wochen gewohnt waren.
Als die Pferde merkten, dass wir sie holen wollten, wieherte der Wallach, worauf die junge Stute reagierte. Daraufhin wiederum reagierte meine Lady und versuchte, die Junge von dem Wallach (obwohl durch Strasse und zwei Zäune getrennt) wegzuscheuchen und  ja, auch etwas anzugreifen. Am liebsten wäre diese dann über den Zaun gehüpft.
Es war also schon etwas kritisch, die beiden von der Weide zu holen. Da werde ich die nächsten Tage noch Hilfe brauchen. Aber es ist schon gut, wie sehr meine Lady auf mich reagiert. Wenn ich (zugegebenermaßen muss ich sie etwas anbrüllen) sie auffordere ,lässt sie die Angriffe und ich kann sie mir dann am Halfter packen und mein Mann kann dann gefahrlos die junge Stute nehmen.
Ich denke, auch hier braucht es Zeit. Ich habe die Neue ja fast vier Wochen und ich glaube, es war auch gut, so lange zu warten.
Also Vorsicht ist tatsächlich wohl geboten.
Rescuetropfen gebe ich auch. Hat vielleicht noch jemand Ideen, ob noch andere Bachblüten oder ähnliches unterstützen könnte?
@Canashi: Die Weide ist etwa eineinhalb ha groß, aber (erschlagt mich nicht, wir haben Milchkuhhaltung) mit Stacheldraht eingezäunt und um diese Jahreszeit natürlich rutschig. Glücklicherweise ist die junge Stute von sehr ruhigem Gemüt und sprintet nur immer kurz.
Gleich hole ich die Pferde in den Stall, mal sehen, ob sich am Verhalten etwas geändert hat.
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Canashi am Do Dez 07 2017, 21:09

Finde es gut, dass du langsam machst.

Mit Stacheldraht & Neuzugang habe ich folgendes Erlebnis:
Ich, gerade 17 Jahre alt, und meine kleine Naschura, 2 Jahre alt. Pony an diesem Tag neu in die Herde gekommen. Ein Wallach, der sie nicht zu den anderen lassen will und sie wegtreibt. Große Koppel, irgendwann aber Koppel zu Ende. Naschura springt über den Koppelzaun (Band) und mitten in den ein Meter dahinter befindlichen Stacheldrahtzaun hinein. Komplette Brust hässlich aufgerissen (nur oberflächlich, zum Glück), musste genäht werden, Narben waren lebenslang im Sommerfell sichtbar. Kannst dir vorstellen, wie es mir in dem Moment ging... das sah nicht schön aus...

Pluspunkt: Seither gibt es auf unserem Hof keinen Stacheldraht mehr, auch die Rinder stehen hinter Elektroband.

Was ich sagen will: besser (zu) vorsichtig, als übereilt etwas riskieren.
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Friedaaa am Do Dez 07 2017, 21:58

Puh. Wenn Sie schon auf Wiehern so flippt. Bachblüten für die Zeit?
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Dschinn am Do Dez 07 2017, 22:08

Ich verstehe, daß Du wegen des Stacheldrahtes sehr vorsichtig bist. Gute Lehren brauchst Du nicht und 'mal eben abzäunen ist leichter gesagt als getan. Anderthalb Hektar sind fein für drei Pferde - das kann man hier für Geld nicht haben.

Wenn Du etwas tun möchtest - vielleicht kannst Du die Ecken entschärfen? M. W. sind die am gefährlichsten. Vielleicht nur mit E-Band abspannen? Oder jemand weiß etwas Besseres?

Spannend hier.

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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Ostfriesenmädel am Fr Dez 08 2017, 07:29

Ich hatte auch schon dreier Konstellationen.

Mae war Chef und hat Fanja damals auch die erste Zeit vor dem neuen abgeschirmt. Das hat sich aber nach ein paar Tagen von alleine gelegt.

Ich füttere Magnesium in Pulverform dazu - soll auch beruhigend wirken.

Ansonsten mag ich Dir nichts raten, denn ich weiss nicht, wie dominant Deine alte Stute ist und das kannst nur Du alleine einschätzen.

Am 15. Oktober kamen zwei neue Pferde in meine kleine Herde. Mae ist nicht mehr Chef und es gab lange Zeit doch derbe Reibereien. Nun nach fast 2 Monaten haben sich die 5 schon ganz gut eingespielt.

Leider hast Du Dir auch keine so gute Jahreszeit ausgesucht - auf der großen trockenen Weide im leckeren Gras klappt eine Zusammenführung meist leichter. Das ist jetzt nicht zu ändern, also lass den Pferden lieber weiterhin mehr Zeit, als das nachher eines geflickt werden muss . . .  LG
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Friedaaa am Fr Dez 08 2017, 08:07

Stimmt mit der trockenen Weide und dem Gras. Gibt es denn die Möglichkeit, dass die Pferde über den Winter getrennt bleiben? Wenn du die erstmal soweit "trainieren" kannst, dass der Kontakt über den Zaun gut geht wäre die junge ja auch nicht wirklich allein. Und dann zum anweiden anfangen mit der Zusammenführung?? Meiner war auch so richtig richtig oberarschigheftig bei Zusammenführungen und ich habe mir oft gewünscht, dass sich da mal vorher nen Kopf drüber gemacht wird. Hinterher haben alle immer große Augen gemacht. Hat dem Kleinen SO keiner zugetraut. Da hab ich aber nur noch mit den Schultern gezuckt. Weil ich es immer und immer wieder gesagt habe. Der hat keinen Zaun der Welt akzeptiert und hat um Tod und Teufel um seine Herde gekämpft. Und das meine ich, wie ich es sage
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von Teami am Fr Dez 08 2017, 09:02

Zeit lass ich mir bzw. den Pferden. Deswegen jetzt erstmal Leitstute mit neuem Pferd zusammen und ich kann mir vorstellen, dass das auch einige Wochen dauern kann.Gegen Abend  kommt die Stute dann ja einige Stunden wieder mit dem Wallach zusammen bis sie in den Stall kommen. Das ist dann ja die gewohnte Konstellation.
Im Moment kann ich sie noch gut getrennt halten, schwieriger wird es im Frühling, wenn ich dann erstmal nicht mehr die großen Weiden zur Verfügung habe. Ich glaube, dass wäre auch nur ein Aufschieben der Konfrontation.

Aber das macht mir Hoffnung, was ihr hier so schreibt. Mit dem Magnesium und Bachblüten ist eine gute Idee.
@Friedaaa: Ich war ja auch immer der Meinung, die Pferde regeln das unter sich, bin ich auch noch.Aber wenn man so Exemplare hat wie mein Stuti, und dein Snotri war ja auch anscheinend so ein Kaliber, dann ist das nicht so lustig.
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

Beitrag von fribi am Fr Dez 08 2017, 09:25

Teami, ich denke, dass du die ganze Sache sehr gut im Griff hast und dass du ruhig und überlegt an das Problem der Zusammenführung gehst. Da wird man dir "von außen" auch nur wenig Tipps geben können, denn du kennst deine Pferde wie niemand sonst. Und jede Konstellation bei Anderen ist nicht die gleiche wie bei dir.

Auch mein Pferd steht zwischenzeitlich in einem Dreierstall. Unser Methusalem, ein 38-jähriger Hafiwallach, war schon am Stall, als Nick (14 J. Freiberger) und Joe (13 J. Quarter) dazu kamen. Obwohl Nick in seiner vorherigen Herde ziemlich ranghoch und auch ein wenig rüpelig zu Rangniedrigen wurde, hat er sofort akzeptiert, dass Joe der Boss ist. Es gab vom ersten Tag an keinerlei Rangkämpfe. Joe ist allerdings kein typisches Leitpferd. Er scheucht hin und wieder die anderen Pferde vom Futterplatz weg, aber er jagt weder hinterher noch beißt oder schlägt er - er ist einfach nur rüpelig und geht seiner Wege, ohne Rücksicht auf die Anderen.

So gesehen haben wir eine völlig andere Situation. Die beiden "jungen" Pferde sind immer frei im großen OS, tagsüber ist auch der Zugang zur Wiese offen, Heu gibt es ad lib an mehreren Fressplätzen. Nur nachts wird unser Senior abgetrennt, dass er in Ruhe sein Abendessen genießen kann.

Die ersten Tage hatten wir auch Nick und Joe nachts noch in Boxen, aber die sind inzwischen abgebaut - und die Pferde sind glücklich.

Ich hoffe sehr, dass deine dominante Lady bald so weit sein wird, dass in deiner Dreierherde Frieden herrscht. Ich bin mir sicher, dass du die Tiere so gut beobachtest, dass du den richtigen Zeitpunkt für weitere Schritte genau erkennen wirst. Alles Gute!
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Re: Herdenzusammenführung: Drei sind einer zuviel?

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