Wohlstandskrankheiten

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Wohlstandskrankheiten

Beitrag von Licke am So Feb 23 2014, 07:57

Man liest immer mehr über die "neuen" Wohlstandskrankheiten unserer Pferde. EMS, PSSM, KPU, Cushing, ganzjährige Reheschübe, immer mehr Ekzemer usw.

Früher (zu meiner Zeit, damals...) gab es z.B. selten Rehe. Wenn, dann eher nur im Frühjahr, zum Beginn der Weidesasion oder, wenn ein Pferd zuviel Hafer bekam und absolut keine Bewegung hatte (als Beispiel).

Die ganzen Stoffwechselkrankheiten von heute, habe ich früher nie gehört. Auch vor 10 Jahren hatte ich noch keine Ahnung von EMS, Cushing und Co.

Manche sagen: die Pferde heute werden älter- früher hatten sie die Krankheiten auch (nicht in dem Maße), starben nur früher und keiner bemerkte es.

Halte ich für nicht so richtig. Bei uns damals im Stall waren auch alte Pferde, die waren topfit.

Meint ihr auch, das kommt alles über die Fütterung? Ich bin auch vor Jahren auf Müsli abgefahren. Jahrelang hatte ich davon nichts mitbekommen, weil bei uns das keiner fütterte. Pellets waren da neben Hafer oder Gerste das "neue" Futter. Wenn man das so nennen kann.

Auf Müsli kam ich erst vor ca.6 Jahren. Ich gebe zu, dass ich voll empfänglich für das gut riechende und lecker aussehende Zeug war. Hmmm! Duftet toll und sieht gut aus = ist auch gut. Was da alles drin ist, das muß ja top sein.

Ich bedauerte mein Pferd, weil ich ihm das bis dato nicht geboten hatte. Ich Unwissende  Zwinker 

Bis dahin hatte ich auch keine MiFu gefüttert. Das war erst vor ca. 4 Jahren. Und dann begann auch der Zirkus mit vielen tollen Zusatzmitteln. Hier Entgiften, da unterstützen, das fürs Fell, das für die Muskeln, jenes wegen Fellwechsel, achja, für die Hufe noch das und jenes fürs die Gelenke, Knochen, Sehnen usw.

(übertrieben gesagt)

Er bekam das nicht alles zusammen (und auch nicht alles), aber immer mal hiervon eine Kur und davon eine usw.

Natürlich fühlte ich mich gut, weil ich mich sooo um mein Pferd kümmerte und ihm aaaalles zukommen ließ.

Und jetzt? Je weniger, desto besser. Zusätze habe ich gar keine mehr, denke auch, dass die wenigstens wirklich was bringen. Ich habe auf getreidefrei, zusatzstoffe/Chemie frei und in Lebensmittelqualität umgestellt (und hoffe, dass das nicht eine ähnliche Schiene wir Müsli und Co ist!! Nicht, dass ich mich in ein paar Jahren darüber ärgere). Es gibt kein künstliches Zeugs mehr, das MiFu wird im Grundfutter mit abgedeckt. Wenn ich im Winter was für die Knochen oder was auch immer füttern mag, wird es ebenfalls im Grundfutter als natürlicher Zusatz beigemischt und gut.

Ich hoffe nun, dass ich so die Ablagerung von irgendwelchen Stoffen aus der Futtermittelindustrie vermeide, die nicht ins Pferd gehören. Denn die scheinen ja zum großen Teil für diese ganzen Wohlstandserkrankungen verantwortlich zu sein, oder? Inklusive zu dicker Pferde (das war nie mein Problem).

Wenn man liest, welchen Schaden moderne Futtermittel und Zusätze (auch MiFu) anrichten können (bzw. ihre Ablagerungen), dann habe ich ein ganz schlechtes Gewissen.

Füttert man dieses Müsli oder jene Pellets, dann braucht das Pferd für dessen Verarbeitung ein höher dosiertes MiFu- wie bescheuert ist das denn? Dies und das kann das Pferd in den Mengen nicht verarbeiten- es wird im Körper gelagert, nicht ausgeschieden und iiirgendwann kommt der Bumerang und das Pferd wird krank.

Ich lese im Moment auch immer wieder, dass es schon langt, wenn ein Pferd 24 Stunden Weide oder Heu hat. Selbst das kann zu Stoffwechselerkrankungen führen. Schluck. Ja, was soll man denn machen? 24 Std. Rauhfutter soll doch gut sein. Betrifft das nur bestimmte Pferde? Oder wird bei denen die Bewegung kleingeschrieben?
Sind die zu dick und man bekommt dafür dann die Quittung?

(zum Ekzem möchte ich noch kurz sagen, dass da natürlich auch die Stiche der Mücken eine große Rolle spielen- aber nicht grundsätzlich)

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Re: Wohlstandskrankheiten

Beitrag von Shazeeru am So Feb 23 2014, 11:14

Sehr interessant!
Ich halte von dem ganzen Zusatzfutterkram ehrlich gesagt gar nichts.
Wie oft werde ich skeptisch angeschaut, wenn ich sage "Der lebt von Wiese und Heu" und quasi direkt kommt die Nachfrage "Aber der ist doch jung! Der braucht Mineralfutter!"
Ich muss ehrlich sagen, dass mich das zwar leicht verunsichert hat und ich daher auch ein bisschen im Internet gestöbert habe, was es denn überhaupt so gibt, aber letztlich bekommt er auch jetzt nichts anderes. Nein.

So ist er groß geworden, gewachsen und steckt voller Kraft.
Warum soll ich einen funktionierenden Organismus etwas zuführen, was ich nicht nachvollziehen kann? Denn die Findung nach einem beispielsweise melassefreien Müsli ist ja bereits die Nadel im Heuhaufen, die ganzen Zusatzstoffe werden unter Fachbegriffen geführt, die ein Laie nicht einfach so wissen kann, der sich nicht permanent mit der Nahrungsmittelindustrie beschäftigt.
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Re: Wohlstandskrankheiten

Beitrag von Watz am So Feb 23 2014, 12:57

Ich kann mir schon vorstellen, dass vieles von der (Über-)fütterung kommt. Bei meinem Großen früher hab ich lange null über das Futter nachgedacht, der Stallbesitzer hat ja gefüttert. Da gab es Pellets und Hafer und zweimal täglich Heu. Punkt. Da er eine miese Hufornqualität hatte, habe ich die Zufütterung von Biotin quasi mitübernommen. Später - er hatte als Ex-Springpferd diverse Wehwehchen - probierte ich dann Teufelskralle, Ingwer, ... Als Mineralfutter gab es allerdings höchstens mal eine bestimmte Kur, nach Blutbild. Hmpf, Cushing hatte er allerdings trotzdem oder deswegen oder wer weiß das schon?!?!

Beim Isi war ich dann sehr misstrauisch gegenüber den lecker riechenden Müslis. Kaum hat man einen Isi, "muss" man ja Hestamix kaufen, machen ja alle. Ich fand zwar, dass das sehr lecker riecht, aber irgendwie tatsächlich zu lecker! Das kann nicht echt sein. Die meiste Zeit hat Lifri nun also mit Heu - und die meiste Zeit davon mit 24/7 Heu - und Mineralfutter gelebt. MiFu füttere ich niedrig dosiert und wechsele auch. Immer auf der Suche nach der "natürlichsten" Variante. Vermutlich - nee, ich habe es nicht testen lassen! - gibt unser Heu ja nicht mehr so viel her. (Eigentlich sollte ich es mal testen lassen...) Als Kraftfutter, wenn er denn was bekommt, und das nur, so lange wir viel machen, gibt es Hafer. Da habe ich lange gesucht, weil ich keine großen Mengen brauche und sauberen Hafer wollte. Weide gibt es für die Ponies eh nicht so viel bzw. lange. Hier gibt es nur noch Turbo-Gräser für Hochleistungskühe. Da sind wir sehr vorsichtig.

Um mich herum gibt es alles - die Nixzufütterer und die Alleswasauffindbaristzufütterer. Letztere sind eher die, deren Pferde häufiger krank sind bzw. krank geredet werden. Das muss also vor allem ein Kümmertrieb sein, der uns viel ins Pferd stopfen lässt. Ich habe auch immer mal so Anfälle, wo ich darüber nachdenke, ob ich nicht vielleicht doch mal mit Kräuterlein hier und da "entgiften" sollte. Allerdings hatte Lifri noch nie besonders auffällige Blut- bzw. Leberwerte. Großes Blutbild gibt es einmal im Jahr, um wenigstens einen Anhaltspunkt zu haben, ob was aus dem Ruder läuft.

Ich weiß, was Licke jetzt füttert und finde, das klingt gut. Grundsätzlich scheint mir auch "weniger ist mehr" die richtige Lösung zu sein. Und so natürlich wie möglich. Ich schaue mir das noch eine Weile an, ob das auch so eine Modeerscheinung ist. Bis dahin halte ich Heu und (wirklich wenig, guten und nur zu Arbeitszeiten) Hafer persönlich nicht für verkehrt. Plus (niedrigdosiertes) MiFu. Wobei mein Pony in der Natur sicher weder Hafer noch Mineralfutter finden würde... Misstrauisch bin ich gegenüber jedem, der Mängel diagnostiziert, die die Tiermedizin überhaupt nicht nachweisen kann. Und dann natürlich alle möglichen Mittelchen empfiehlt. Hm. Wobei ich sicher bin, dass ich bei einem unklaren Krankheitsbild meines Ponys auch anfangen würde, überall zu suchen.

Aber alles, was superduperlecker riecht, Müslimix überhaupt, und irgendwelches Turbofutter kommt mir nicht ins Pony. Bisher ist er damit gesund geblieben.

24/7 Heu finde ich prinzipiell gut. Im Offenstall. Verhilft auch zu mehr Frieden in der Herde. Wobei ich bei Pferden, die zum Moppeligwerden neigen, ein Heunetz drüber sinvoll finde. Für Pferde, die sich pausenlos vollstopfen, ist das aber sicher auch keine Lösung. Fettfressen kann nie gesund sein, egal mit was.
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